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Angriff durch Schüsse auf dem Campus | Update 1 Jahr später
Im April 2025 wurden Studierende aus einem fahrenden Auto heraus beschossen. Ein Jahr später hat der Prozess in dem Fall stattgefunden.
Jana / 2026-05-18, 19:15:48h

Ungefähr ein Jahr ist es her, dass auf dem Campus der TU Ilmenau zwei Personen aus einem fahrenden Auto heraus auf Menschen geschossen haben. Gummipatronen – zum Glück. Aber auch die können gefährlich verletzen. Die Tat hat nicht nur körperlich, sondern auch psychisch ihre Spuren bei den Betroffenen hinterlassen. Was genau damals passiert ist, könnt ihr nochmal hier nachlesen.

Jetzt, ein Jahr später, gibt es ein Update in dem Fall. Im März haben die beiden Prozesstage vor dem Amtsgericht Arnstadt stattgefunden, an denen über den Fall verhandelt wurde. Zeugen und Betroffene haben ausgesagt. Auch die Täter sind zu Wort gekommen. Wir begleiten einen der Betroffenen, Fabian, schon seitdem die Tat passiert ist und haben uns mit ihm noch einmal zum Interview getroffen. Er hat uns erzählt, wie es seit April für ihn weitergegangen ist.

Zunächst einmal hat Fabian versucht, möglichst viel Aufmerksamkeit auf die Tat zu lenken. Er hat Kontakt mit dem MDR und Lokalzeitungen aufgenommen und sich auch mit anderen Betroffenen in Verbindung gesetzt, die er beispielsweise über die Sozialen Netzwerke ausfindig gemacht hat. Danach ist erstmal nicht viel passiert, sagt er.

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Fabian über das Jahr nach der Tat

Der Fall wurde nun im März 2026, nicht mal ein Jahr später, vor dem Amtsgericht Arnstadt verhandelt. Fabian war als Zeuge und Betroffener Teil des Prozesses. Er hat vor Gericht eine Aussage gemacht und uns im Interview berichtet, wie er den Prozess erlebt hat. Es war ein bisschen wie in einer dieser Anwaltsserien im Fernsehen, sagt er. "Das war für mich eine neue Situation. Ich war auch sehr angespannt davor", fügt er hinzu. Am Abend vor dem Prozess ist Fabian nochmal alles durchgegangen, um sich die Geschehnisse nochmal richtig in Erinnerung zu rufen.

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Fabian über den Prozess

Im Auto haben damals zwei Männer gesessen. Ein Fahrer und ein Beifahrer, der aus dem Fenster geschossen hat. Fabian hat uns erzählt, dass die beiden versucht haben, sich bei den Betroffenen zu entschuldigen. Das kam ihm aber eher einstudiert und nicht wirklich ernst gemeint vor – zumindest bei einem der beiden Täter. "Der Richter hat das auch so wahrgenommen und auch nochmal hinterfragt, warum sie nicht vorher Kontakt zu uns aufgenommen haben, wenn sie es wirklich ernst meinen", erzählt Fabian. Ob er die Entschuldigung annimmt, wollte er in diesem Moment nicht entscheiden.

Am zweiten Prozesstag hatte Fabian das Gefühl, dass zumindest einer der beiden Täter Einsicht gezeigt hatte. "Er hat den Zeugen auch zugehört und sich ihnen zugewendet", meint Fabian. Er erzählt uns auch, dass der Schütze sich dazu geäußert hätte, dass einer der Betroffenen drei Monate lang nicht arbeiten gehen konnte - das hätte ihm leid getan. "Eine echte Entschuldigung sieht trotzdem anders aus", sagt Fabian. "Der Richter hat auch gesagt, dass es die Möglichkeit gegeben hätte, dass die Täter vor dem Prozess auf die Betroffenen zugehen und sich entschuldigen." Das haben sie allerdings nicht wahrgenommen.

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Fabian über die Entschuldigung der Täter
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Fabian über die Einsicht des Schützen

Der Prozesstermin war für Fabian eine Befreiung. Er hat uns erzählt, dass er so endlich das Gefühl hatte, dass in der Sache was passiert. Trotzdem hängt die Tat immer noch nach. "Für mich ist die Sache noch nicht vollständig beendet. Ich bin noch ein bisschen im Verarbeitungsprozess", sagt uns Fabian im Interview. Er erzählt uns, dass ein paar der Betroffenen und auch Internationals im Allgemeinen sich nach der Tat unwohl gefühlt haben. Sie hätten sich ebenfalls nicht mehr getraut, alleine auf die Straße zu gehen. Einer der Betroffenen hat sogar den Wohnort gewechselt, weil er sich in Ilmenau nicht mehr willkommen gefühlt hat. Fabian sagt darüber hinaus, dass der Prozess nicht alle Fragen beantworten konnte und sehr viel offen geblieben ist. Zum Beispiel, ob noch weitere Menschen als nur die beiden Männer beteiligt waren, warum sie überhaupt auf den Campus gefahren sind und auch, ob die Tat unter einem rassistischen Motiv geschehen ist. "Für den Richter ist am Ende entscheidend, was das Kerngeschehen ist. Das wurde bestätigt", erklärt Fabian trotzdem.

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Fabian darüber, wie es ihm nach dem Prozess geht

Die beiden Täter wurden letztendlich jeweils zu einem Jahr und sechs Monaten Haftstrafe, ausgesetzt auf 3 Jahre Bewährung verurteilt. Auch wenn einige Fragen offen geblieben sind, wünscht das gesamte Team von Radio hsf den Betroffenen weiterhin viel Kraft, die Tat zu verarbeiten.

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